Between class and nation: Labour and identity in late socialism (Panel proposal for ASN. New York City, 12-14 April 2016)

We are seeking one or two papers to complete a panel on labour movements, class based identities and nationalism in late socialism at the ASN Convention (Association for the Study of Nationalities) in New York in April 2016.
The focus of our research is Yugoslavia in the 1980s but we are open to proposals dealing with other late socialist contexts (e.g. USSR, Poland, Romania, Bulgaria…) based on empirical research.
Although socialist societies like Yugoslavia were officially predicated on the privileged position of the working class, labour movements and class based identities remain under-researched (despite often being at the forefront of mass social movements in late socialism, e.g. Solidarity in Poland, late 1980s strikes in Yugoslavia). This panel takes the agency of workers and class based identities seriously and explores the ways in which working class identity intersected with nationalism (or not).
In order to meet the approaching application deadline please submit an abstract of under 300 words and a biographical statement of under 100 words to rory.archer@uni-graz.at and goran.music@uni-graz.at no later than 19.10.2015

Newspaper report about our research project in der Standard (‘Vom Wunsch nach Gerechtigkeit zum Nationalismus’)

Austrian daily der Standard ran a report on our research project in its regular research supplement. It came out mid-August so in case you were on holidays – here it is again (in German only).

Vom Wunsch nach Gerechtigkeit zum Nationalismus

Obwohl die Arbeiterschaft oft als zentrale Stütze des serbischen Nationalismus dargestellt wird, gibt es über ihre Rolle beim Zerfall Jugoslawiens keine Studien

Graz – Als es wenige Jahre vor dem Zerfall Jugoslawiens immer häufiger zu Arbeiterprotesten in Serbien kam, demonstrierten die Menschen vor allem für bessere Löhne und Lebensbedingungen. Während Slobodan Milos evic, damals Führer der Kommunistischen Partei, auf diese Anliegen lange kaum eingegangen war, erschien er im Oktober 1988 erstmals auf einer Großdemo bei Belgrad und versprach, alle Forderungen zu erfüllen und auch das Problem der diskriminierten serbischen Minderheit im autonomen Kosovo zu lösen. Die Protestierenden jubelten, und die serbischen Medien feierten Milosevic als charismatischen Führer.

Die Schlagzeile “Sie kamen als Arbeiter und gingen als Serben” wurde zum geflügelten Wort. Aber traf diese Einschätzung zu? Folgten die Arbeiter tatsächlich wie Schafe einem nationalistischen Demagogen? War die nationalistische Ideologie schon früher verbreitet in der Arbeiterschaft? “Bis jetzt hat die Forschung nicht zu verstehen versucht, was hier wirklich passierte”, sagt Florian Bieber vom Zentrum für Südosteuropastudien an der Karl-Franzens-Universität Graz. “Zwar haben sich viele Studien mit dem Verhalten der Intellektuellen vor und während der Jugoslawienkriege beschäftigt, nicht aber mit der Rolle der Arbeiterschaft, der ein besonderer Hang zum Nationalismus unterstellt wurde.”

Um eine differenziertere Beur-teilung der Arbeiterklasse als zentrale politische und demografische Kraft im sozialistischen Jugoslawien zu ermöglichen, untersucht der Osteuropaexperte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Rory Archer und Goran Music zurzeit die Zusammenhänge zwischen sozialer Klasse und Nationalismus in vier Arbeitergemeinden in Serbien und Montenegro. “Uns interessieren die verschiedenen Herangehensweisen, mit denen einfache Menschen in ihrem Alltag politische Prozesse besprochen, unterlaufen und geformt haben”, sagt Bieber.

Ein von den Arbeitern heiß diskutiertes, öffentlich aber tabuisiertes Thema war in den späten 1980er-Jahren vor allem die große Ungleichheit innerhalb der sozialistischen Gesellschaft. Einerseits lebten Manager und Höherqualifizierte durch zahlreiche Privilegien wie erleichterten Zugang zum sozialen Wohnbau oder Ähnliches deutlich besser als die einfachen Arbeiter, die unter der Wirtschaftskrise besonders gelitten haben. Obwohl offiziell sämtliche Fabriken in Kollektivbesitz waren, wurden sie von der lokalen Managerklasse zu deren Gunsten kontrolliert. Andererseits gab es auch ein massives Wohlstandsgefälle von Nord nach Süd in den verschiedenen Teilrepubliken.

Steigende Ungleichheit

“Trotz intensiver Bemühungen ist diese Ungleichheit während der sozialistischen Zeit sogar noch weiter angestiegen”, sagt Music. “Die wirtschaftliche Kluft zwischen dem traditionell viel stärker industrialisierten Slowenien und dem Kosovo war 1949 geringer als 1989.” Viele der untereinander konkurrierenden, autonom geführten Fabriken vor allem in den südlichen und östlichen Teilrepubliken fühlten sich in puncto Finanzierung von der Bundesregierung benachteiligt.

Ein heißes Eisen war neben der wirtschaftlichen Ungleichheit auch die Situation der diskriminierten serbischen Minderheit im Kosovo. Nicht nur die Arbeiterschaft reagierte damit auf die Propaganda der serbischen Medien, die das Thema massiv aufbauschten. “Damals richtete sich der Zorn der Arbeiter vor allem gegen den albanischen Chauvinismus, der als konterrevolutionär abgelehnt wurde”, sagt Archer. “Man engagierte sich zunächst noch nicht für ‘serbische’ Rechte, sondern für Gleichheit und Einheit im Kosovo – also für das jugoslawische Projekt, das man durch albanische Separatisten bedroht sah.” Es war dieser Konflikt, der schon in den frühen 1980er-Jahren bewirkte, dass rund 95 Prozent aller politischen Gefangenen in Jugoslawien Kosovo-Albaner waren.

Der Zorn wird umgeleitet

Ende der 1980er-Jahre übernahm die politische Elite die in der Bevölkerung gärenden Reizthemen soziale Ungleichheit und Kosovo und adaptierte sie für ihre Zwecke: “Man nahm den Fokus von den Spannungen innerhalb einer Republik oder Fabrik und verschob ihn auf die nationale Ebene”, sagt Bieber. Da die herrschende Ideologie des sozialistischen Jugoslawien dezidiert antinationalistisch war, habe die Arbeiterschaft den Nationalismus als oppositionelle Haltung gegen die privilegierte Funktionärsklasse aufgegriffen.

Bieber: “Der Groll gegen die Privilegierten in der eigenen Fabrik wurde auf die besser gestellten Teilrepubliken konzentriert.” Damit waren es nicht mehr die Funktionäre in der persönlichen Umgebung, die das System missbrauchen, sondern nur noch “die privilegierten Slowenen oder Kroaten”, die auf Kosten der anderen Republiken ein besseres Leben führten.

“Die Elite wusste, dass das System unter starkem wirtschaftlichem und politischem Druck stand, und musste reagieren”, sagt Bieber. Statt nachhaltige Reformen für das ganze Land einzuleiten und sich damit eventuell selbst abzuschaffen, habe man die Unzufriedenheit gezielt auf die anderen Teilrepubliken gelenkt. “Dies gelang auch deshalb so gut, weil die Arbeiter in Jugoslawien nicht national, sondern nur regional organisiert waren und die Gewerkschaften unter Parteikontrolle standen”, sagt Archer.

Wie die Forscher betonen, seien zudem durchaus nicht alle Arbeiter zu Nationalisten geworden: “Das ist ein Mythos”, betont Music. “In Rakovica etwa, einem Industrievorort von Belgrad, gab es sogar Proteste, weil Milosevic die Forderungen der Arbeiter nicht erfüllt hat. Es gab viele, die nicht auf seine nationalistische Propaganda eingegangen sind.” (Doris Griesser, 12.8.2015)

The history of labour in Yugoslav late socialism (Pula, 2 October 2015)

The Centre for Southeast European Studies, University of Graz, organised a series of panels centred on the theme of labour and history from below in Yugoslav late socialism for the conference ‘Socialism: Construction and Deconstruction’, (the 2nd International Conference Socialism on the Bench, organised by the Centre for Cultural and Historical Research of Socialism, University of Pula on 1-3 October 2015.

12143072_968800419846365_636818037095550078_n

Our project, through centred on Serbia and Montenegro in the 1980s, seeks to contribute to the broader research agenda of labour history in SEE and to foster cooperation between researchers. In the last few years an increasing number of young researchers based in institutions in the UK, SEE and Central Europe have been conducting doctoral and postdoctoral research in this field.

Here are the panels we organised which give a flavour of the state of the debate:

12119158_968801469846260_4137657498504717627_n

Panel 1: Industrial Grievances and Identity from the 1960s

  • Vladimir Korica (University of Glasgow), Working Class Identity and the Struggle for Regional Autonomy in Socialist Vojvodina 1961-1988
  • Vladan Vukliš (Arhiv Republike Srpske, Banja Luka), Testing the Program: Self management in Ljubija iron mines in the early 1960s
  • Ulrike Schult (University of Jena), The Informal Side of Socialist Self-Management in Yugoslav Automotive Factories 1965-1985
12105735_968801413179599_8240277481406211007_n
Ulrike Schult

Panel 2: Other forms of Labour: Voluntary work and Gastarbeiter Return

  • Ana Kladnik, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam. Voluntary Work and History from below in Late Socialist Slovenia: The Case of Volunteer Fire Departments
  • Sara Bernard, University of Regensburg. Policies towards Migrant Workers’ Reintegration and Labour Market Transformations in Late Socialist Yugoslavia
Ana Kladnik, Sara Bernard, and Chiara Bonfiglioli
Ana Kladnik, Sara Bernard, and Chiara Bonfiglioli

Panel 3: Between class and nation: Labour in Yugoslavia during the 1980s

  • Sven Cvek (University of Zagreb), Jasna Račić (CMS Zagreb), and Snježana Ivčić (University of Zagreb), Yugoslav Labor in Transition: The Case of Borovo
  • Hajrudin Hromadžić (University of Rijeka), The story about proud industrial worker: the case study of textiles factory ‘Kombiteks’ Bihać, Bosnia and Herzegovina
  • Goran Musić (CSEES University of Graz), ‘They Came as Workers and Left as Serbs’: The Role of Rakovica’s Blue-Collar Workers in Serbian Social Mobilizations of the Late 1980s
12115853_968801806512893_6145021890808875089_n
Sven Cvek

Panel 4: Labour on the Brink of Capitalism

  • Rory Archer (CSEES University of Graz), ‘It was better when it was worse’. Ruptures, socialist and post-socialist temporalities
  • Anna Calori (University of Exeter), Globalisation or exploitation? Debating reforms in the late socialist workplace
  • Ivan Rajković (SSEES, University College London),  “Labour, now!”: tracing industrial slowdown, unproductive employment and calls for work ethic in postsocialist Serbia
  • Kathrin Jurkat (Humboldt University, Berlin), Privatization in Serbian post-socialist factories – perspectives from below
Ana Calori
Ana Calori

Emerging themes in the research of labour, (late) Yugoslav socialism and postsocialism

We have compiled a preliminary list of themes that arose in the presentations and discussions prompted by them in Pula. These methodological and thematic considerations emerge frequently and transcend the particular empirical focus of the papers.

This is by no means a definitive list and we welcome contributions from participants in order to expand it further (in comments below or via email)

Themes of interest

  • The meaning of work; affect; emotion
  • Work and non-work
  • Voluntary work (and its ambiguity i.e. de facto forced or community based labour)
  • Temporality; in the sense of teleological socialist discourses; (post-)Fordism
  • Ruptures and continuities
  • Morality and social capital attached to work
  • Commonalities and specificities of various sectors of labour (e.g. automotive, textile, mining…)
  • Divisions and antagonisms between workers (productive/non productive; skilled/unskilled; white collar/blue collar)
  • Sociability; The workplace as the centre of social life (‘the second home’)
  • Provision of welfare through the socialist workplace

Features of Yugoslav work and non-work

  • Self-management structures and institutions
  • Social ownership
  • Market socialism and competition
  • System change and ethnic polarisation (1988-1992)
  • Conflict and cooperation
  • Unemployment
  • The postsocialist state owned firm in the 1990s
  • Privatisation

Sources and methods

  • Oral history
  • Archives (state, city, local)
  • Factory archives
  • Media sources
  • Labour in popular culture (television, film)
  • The particular implications of the choice of sources; ways in which they can be combined
  • Global labour history approaches

Labour and its intersection with other phenomena

  • Gender
  • Social movements
  • Nationalism and ethnicity
  • Political and institutional history
  • Migration
  • Postsocialism

Levels of analysis and comparative framework

  • Focus on the level of the factory (single or multiple case study)
  • Focus on a broader unit (community, town, region, republic)
  • Comparison of units (factory, city, republic etc.)
  • Diachronic or synchronic comparison